Old and New Friends: Cumbriano klaut Flaschen aus Eimern 

In unserer Serie 'Old and new friends' ist heute der Wiener Walzer Sohn aus der Carrie Anne an der Reihe. Der 2013 geborene Braune wurde von H.H.Brand gezogen und hat im Rennstall Recke zwei Rennen gewonnen. Aus gesundheitlichen Gründen haben wir dann 2019 einen guten Platz als Freizeitpferd gesucht und gefunden. Die neue Besitzerin hat ihre Erfahrungen in der ersten Zeit mit Cumbi an uns gesendet, den wir nachfolgend veröffentlichen. Wir möchten ein mal mehr damit aufzeigen, wie viel Spaß und Freude Ex-Rennpferde bereiten können. An dieser Stelle herzlichen Dank ... eine Werbung für die Vollblüter.

‚An Cumbriano oder wie wir in rufen: Cumbi, bin ich absolut durch Zufall rangekommen. Bis dahin habe ich nicht mal im Traum daran gedacht jemals einen Vollblüter zu besitzen.

Nunja. Mein anderes Pferd war zu dem Zeitpunkt seit 3 Jahren Rentner. Eine Freundin schickte mir dann das Bild von ihm auf der Bahn mit der Frage 'Hey willst du ein zweites Pferd?' Sie bekam das Foto von ihrer damaligen Reitlehrerin (Vera) die ihn 'vermittelt' hat. Ich lehnte erst mal lachen ab. Der Gedanke ein zweites Pferd zu haben war zwar da, aber für mich noch nicht der richtige Zeitpunkt. Aber irgendwie ließ er mich nicht los. Also vereinbarte ich mit Vera einen Termin zum kennlernen um uns ein wenig zu unterhalten. Nur ein paar Tage darauf vereinbarten wir einen Termin Cumbriano anzuschauen (ich kannte ihn nach wie vor nur vom Foto). Natürlich direkt mit Hänger im Gepäck, aufgeregt wie ein kleines Kind saß ich im Auto. Und sofort als ihn sah, war klar, den nehmen wir heute noch mit!

Die ersten Wochen zeigte er sich etwas misstrauisch, jedoch neugierig. Aber er hat es mir etwas schwer gemacht. Als er sich Anfang Sommer sein Fesselgelenk ordentlich entzündet hat wuchsen wir erst richtig zusammen. Er verbrachte den ganzen Sommer auf der Weide. In der Zeit lernten wir uns richtig kennen. Als er wieder fit war, fiel ich aus gesundheitlichen Gründen bis Ende letzten Monat im Sattel aus. Meine Trainerin und Stallfreundin fing dann im November mit seiner richtigen Umschulung zum Dressur-/Freizeitpferd an. Wir nennen ihn 'den kleinen Professor'. Er lernt unfassbar schnell ... versammelter Trab, fast versammelter Galopp, Traversalen. Er läuft an zwei Fingern durchs Genick und lässt sich über Atmung und Körperspannung bremsen und anhalten. Er kommentiert auch immer alles durch schnauben usw. Meine Trainerin sagt, wenn er fertig ist kann man ihn auf einer Briefmarke wenden. Und er hat wirklich, wirklich Spaß am Lernen! Und er verlangt danach. Er gibt auf Kommando Küsschen oder stößt seine Nase gegen eine hingehaltene Hand er bleibt ohne Halfter in der Stallgasse stehen. Auch wenn ich kurz raus gehe. Er bringt uns jeden Tag zum Lachen, weil er einfach ein extremer Clown ist.

Er klaut Flaschen aus Eimern und trägt sie weg, öffnet Reißverschlüsse und nimmt generell gerne alles in den Mund um damit zu spielen. Was mich an meisten an ihm begeistert ist wie unerschrocken er ist. Er lässt sich von absolut gar nichts aus der Ruhe bringen! Er lebt in einem Stall mit kleiner Stallgemeinschaft. Tagsüber ist er draußen in einer Herde unteranderem mit zwei Zweijährigen mit denen er ordentlich tobt und steht sonst in einer großen Box.

Jetzt frage ich mich, wieso wollte ich nie ein Vollblut? Wie kann man ihren Charakter nicht lieben? Ich bin unfassbar dankbar für dieses wundervolle Pferd! Ich gebe wirklich mein bestes, dass er voll zufrieden ist! ‘
(21.05.2020)